Was der Durometerwert misst

Die Härte beschreibt den Widerstand eines O-Rings gegen Eindrücken und wird üblicherweise auf der Shore-A-Skala gemessen. 70A ist eine verbreitete Allzweckhärte, 90A ist hart, 60A und darunter sind weich. Die Zahl ist kein Qualitätsmerkmal, sondern ein konstruktiver Kompromiss zwischen Dichtanpassung, Extrusionsbeständigkeit und Reibung. Der passende Wert hängt vor allem von Druck und Spalt ab.

Der grundlegende Zielkonflikt

  • Weicher, etwa 60–70A: passt sich Oberflächenfehlern besser an, dichtet bei niedrigem Druck mit weniger Kraft und kann geringere Reibung erzeugen. Unter Druck extrudiert es jedoch leichter in Spalte.
  • Härter, etwa 80–90A: widersteht Extrusion, verträgt größere Spalte und höheren Druck und hält seine Form besser. Es benötigt mehr Kraft zum Setzen, erzeugt bei dynamischen Dichtungen häufig mehr Reibung und passt sich rauen Flächen schlechter an.

Der stärkste einzelne Einfluss ist häufig der Druck: Mit steigendem Druck wird der Ring in den Extrusionsspalt gedrückt. Eine höhere Härte oder ein geeigneter Stützring hält ihn in der Nut.

Orientierung nach Druck und Spalt

Bedingung Typische Wahl
Niedriger Druck, statisch, rauere Oberfläche 60–70A
Allgemeiner statischer und dynamischer Betrieb 70A
Höherer Druck oder größerer Spalt 80–90A
Hoher Druck ohne Stützring 90A oder konstruktiv Stützring ergänzen

Parker stellt Extrusionsgrenzkurven für 70A, 80A und 90A getrennt dar, weil die Härte den zulässigen Spalt stark verschiebt. Bei gleichem Druck verträgt ein 90A-Ring vor Extrusion typischerweise einen größeren Durchmesserspalt als ein 70A-Ring. Diese Kurven sind Prüf- beziehungsweise Auslegungsgrenzen und ersetzen keine Freigabe der konkreten Mischung.

Dynamische Dichtungen

Bei Hub- und Drehdichtungen beeinflusst Härte zusätzlich Reibung und Verschleiß. Zu weich kann der Ring stark schleppen und schnell verschleißen; zu hart kann er schlecht abdichten und die Gegenfläche belasten. 70–80A ist bei dynamischer Belastung häufig ein brauchbarer Kompromiss, mit Tendenz zu höherer Härte bei größerem Druck oder Spalt. Drehbewegungen benötigen eine eigene Bewertung und dürfen nicht nur nach Hubdichtungsregeln ausgelegt werden.

Wechselwirkung mit Verpressung und Werkstoff

Härte ersetzt keine korrekte Dimensionierung. Ein harter Ring benötigt weiterhin passende Verpressung, und ein weicher Ring weiterhin einen kontrollierten Extrusionsspalt. Härte und Werkstoff sind gekoppelt: Dieselbe Polymerfamilie wird in mehreren Härten angeboten, und weichere Güten eines hitzebeständigen Polymers können einen anderen Druckverformungsrest zeigen. Wählen Sie zuerst die Polymerfamilie für Medium und Temperatur und danach die Härte für Druck, Spalt und Bewegung.

Prüfung mit den Rechnern

Der Extrusionsrechner verwendet die Kurven für 70A, 80A und 90A, um den zulässigen Durchmesserspalt bei Druck und Härte einschließlich der Werkstoffkorrektur für Silikon und Fluorsilikon zu bewerten. Die Rechner für radiale statische und radiale dynamische Dichtungen bestätigen danach Verpressung und Füllgrad des gewählten Rings.

Häufig gestellte Fragen

Welche O-Ring-Härte ist am häufigsten? 70 Shore A ist eine verbreitete Allzweckhärte für viele statische und dynamische Anwendungen bei mäßigem Druck.

Wann sollte ein 90A-O-Ring verwendet werden? Bei höherem Druck oder größerem Spalt, wenn ein weicherer Ring extrudieren würde. 90A widersteht Extrusion besser, braucht aber mehr Setzkraft und passt sich rauen Oberflächen schlechter an.

Bedeutet härter automatisch bessere Dichtwirkung? Nein. Härter bedeutet höhere Extrusionsbeständigkeit, aber geringere Anpassung an die Oberflächentopografie. Wählen Sie die Härte nach Druck und Spalt und nicht nach der Annahme, dass härter grundsätzlich besser sei.