Drei Maße beschreiben jeden O-Ring: Innendurchmesser (ID, oft d1), Schnurstärke beziehungsweise Querschnittsdurchmesser (CS, oft d2 oder W) und Außendurchmesser (OD). Nur zwei davon sind unabhängig; das dritte folgt immer aus:
OD = ID + 2 × CS
Messen Sie zwei Größen, berechnen Sie die dritte und verwenden Sie den berechneten Wert als Plausibilitätskontrolle.
Geeignete Messmittel
Ein Messschieber eignet sich zur vorläufigen Identifikation. Die Anzeigeauflösung ist jedoch nicht die Messgenauigkeit: Gummi verformt sich unter der Messkraft. Wählen Sie ein zur geforderten Toleranz passendes Verfahren, prüfen Sie das Messmittel und halten Sie den Ring entspannt. Für eine Abnahme können herstellerfreigegebene Lehren oder berührungslose Verfahren erforderlich sein.
Zwei Gewohnheiten verbessern jede Messung:
- Messen Sie an mindestens drei Umfangsstellen und mitteln Sie die Werte. Formtrennlinien und geringe Ovalität sind normal.
- Verwenden Sie die kleinstmögliche Kontaktkraft. Wird der Gummi sichtbar eingedrückt, ist der Messwert zu klein.
Innendurchmesser messen
Legen Sie den Ring flach und ohne Dehnung hin und messen Sie an seiner weitesten Stelle über den Innenraum. Hängen Sie den Ring nicht an die Messschenkel; sein Eigengewicht dehnt ihn. Kleine Ringe werden auf einen Konusdorn geschoben, bis sie ohne zusätzliche Dehnung anliegen; der Wert wird an der Berührungslinie abgelesen.
Hat ein gebrauchter Ring einen Druckverformungsrest angenommen, kann sein Innendurchmesser etwas gewachsen sein. Behandeln Sie Messungen gebrauchter Ringe als Näherung und versuchen Sie bevorzugt, die ursprünglichen Nutmaße zu bestimmen.
Schnurstärke messen
Schließen Sie die Messflächen vorsichtig an vier über den Umfang verteilten Stellen um die Schnur und bilden Sie den Mittelwert. Messen Sie einen gebrauchten Ring möglichst außerhalb der abgeflachten Kontaktflächen. Ein deutlich oval gemessener Querschnitt weist üblicherweise auf Druckverformungsrest und nicht auf eine ungewöhnliche Normgröße hin.
Außendurchmesser messen
Der Außendurchmesser ist direkt am unzuverlässigsten zu messen, da der Ring den Messschenkeln ausweicht. Berechnen Sie bevorzugt OD = ID + 2 × CS. Ist nur der Außendurchmesser zugänglich, etwa bei einem Ring in einer Sacknut, messen Sie OD und CS und berechnen ID = OD − 2 × CS.
Einer Normgröße zuordnen
Vergleichen Sie Innendurchmesser und Schnurstärke mit den verbreiteten Normfamilien:
- AS568 – zollbasiert und weltweit eingesetzt: Schnurstärken 1,78 / 2,62 / 3,53 / 5,33 / 6,99 mm.
- ISO 3601 und GB/T 3452.1: Prüfen Sie die konkrete Maßtabelle und Normausgabe. Nicht jede Reihe oder gerundete metrische Abmessung ist mit AS568 gleichzusetzen.
Die Nennschnurstärken 3,53 und 3,55 mm unterscheiden sich nur um 0,02 mm. Ein verschlissener oder verformter Ring erlaubt möglicherweise keine sichere Unterscheidung. Vergleichen Sie ID, Schnurstärke, Toleranzen und Bezeichnung anhand von AS568 und ISO 3601. Der nächste Treffer ist ein Kandidat, keine Austauschfreigabe.
Beispiel: vom Messwert zur Auslegungsprüfung
Ein unbeschädigter, entspannter Ring hat ungefähr ID = 20,00 mm und CS = 2,50 mm. Daraus folgt AD = 20,00 + 2 × 2,50 = 25,00 mm. Geben Sie beide Messwerte in den O-Ring-Größenrechner ein und vergleichen Sie ID und Schnurstärke getrennt. Runden Sie nicht vorab auf den ersten Katalogeintrag.
Ein zusätzlich gemessener AD von 25,4 mm weicht um 0,4 mm ab. Wiederholen Sie die Messung und prüfen Sie Ovalität oder Verformung; die Abweichung allein bestimmt keine andere Normgröße. Dokumentieren Sie die Spannweite der Messwerte, nicht nur ihren Mittelwert.
Prüfen Sie den Kandidaten anschließend im Radial-Statik-Rechner oder im Axialdichtungsrechner. Für die Freigabe sind bestätigte Nennmaße und Toleranzen des Lieferanten erforderlich.
Messreferenz: Apple Rubber zur Messung von ID und Schnurstärke. Das Zahlenbeispiel ist unabhängig erstellt und keine Herstellerspezifikation.
Häufige Fehler
- Den Ring beim Messen des Innendurchmessers dehnen – der Wert wird zu groß.
- Die Schnur mit dem Messschieber zusammendrücken – der Wert wird zu klein.
- Einen nach Medienkontakt gequollenen Ring messen und den Wert als ursprüngliche Größe behandeln.
- Den direkt gemessenen Außendurchmesser für maßgebend halten – besser aus ID und CS ableiten.
Normgrößendaten dienen der technischen Vorauswahl. Beschaffung und endgültige Auslegung müssen mit der anwendbaren Normausgabe, den Datenblättern des Lieferanten und den tatsächlichen Betriebsbedingungen abgeglichen werden.