Es gibt keinen universellen Farbcode
O-Ringe sind häufig schwarz, können aber ebenso braun, grün, blau, rot, weiß, transparent oder andersfarbig sein. Diese Farben können einem Hersteller oder Werk helfen, Mischungen zu unterscheiden. Es gibt jedoch keine allgemeingültige Regel, nach der „grün gleich FKM“ oder „blau gleich EPDM“ wäre.
Pigmente, Füllstoffe, Vernetzungssysteme, Beschichtungen und kundenspezifische Kennzeichnungsschemata können in verschiedenen Elastomerfamilien dieselbe Farbe erzeugen. Dieselbe Werkstofffamilie kann außerdem in mehreren Farben geliefert werden.
Was Farbe nicht beweisen kann
Das Aussehen allein bestimmt nicht:
- Polymerfamilie oder genaue Mischung,
- Shore-Härte,
- chemische Verträglichkeit,
- zulässigen Temperaturbereich,
- Lebensmittel-, Trinkwasser-, Medizin- oder Luftfahrtzulassung,
- elektrische Eigenschaften oder Reinheit,
- Alter oder verbleibende Lebensdauer.
Selbst markengebundene Farbkonventionen können nach Region, Produktlinie oder Sonderauftrag abweichen.
Richtige Reihenfolge der Identifikation
Beginnen Sie mit der versiegelten Verpackung und einer rückverfolgbaren Teilenummer. Gleichen Sie Bestellung, Zeugnis und Lieferantendatenblatt ab. Verwenden Sie bei eingebauten Teilen Wartungsunterlagen und die Stückliste der Anlage. Ist die Rückverfolgbarkeit verloren, sperren Sie den Ring, statt den Werkstoff anhand seiner Farbe zu erraten.
Laborverfahren wie Infrarotspektroskopie, Thermoanalyse, Dichte, Härte und Elementanalyse können die Identifikation eingrenzen. Eine exakte proprietäre Mischung rückwärts zu identifizieren kann dennoch schwierig bleiben. Eine zerstörende Prüfung bescheinigt außerdem nicht, dass ein weiterer loser Ring aus derselben Charge stammt.
Farbe als gelenkte Sekundärhilfe
Ein Werk kann Farben bewusst zuordnen, um Montagefehler zu vermeiden. Dokumentieren Sie in diesem Fall das Schema, kontrollieren Sie Beleuchtung und Farbabweichung und behalten Sie die Teilenummer als primäres Identifikationsmerkmal bei. Berücksichtigen Sie farbfehlsichtige Beschäftigte und nutzen Sie Etiketten, Behälter, Barcodes oder Geometrie, damit Farbe nie das einzige Signal ist.
Oberflächenbehandlungen beachten
Eine Beschichtung oder ein Schmierstoff kann sichtbare Farbe und Reibung verändern, ohne das Grundelastomer zu ändern. Reinigung kann eine vorübergehende Kennzeichnung entfernen. Spezifizieren Sie deshalb Grundmischung und Oberflächenbehandlung in Zeichnung und Beschaffungsunterlagen.
Technische Regel
Ist der Werkstoff für Sicherheit, Verträglichkeit oder Lebensdauer entscheidend, verlangen Sie eine rückverfolgbare Mischungsidentifikation. Farbe ist eine Beobachtung – kein Werkstoffzeugnis.